Posts

Rede SCP 2015

Es hat Spaß gemacht, aber warum machen wir das?

Ganz klar: Wir müssen niemandem sagen, dass die Lage ernst ist. Jeder weiß, dass die Lage Ernst ist.  Doch
ich glaube auch an eines: Das Vergangene bestimmt nicht unser Schicksal. Wir
haben die Zukunft in der Hand.

Ich glaube an die Kraft der positiven
Kommunikation. Wir haben heute wieder etwas auf die Straße gebracht, dass so
schön war, dass so viel Freude ausstrahlte, dass wir die Menschen die uns sehen
zum Zuhören und Mitmachen inspirieren.

Ihr habt heute bestimmt schon ein paar Klimatipps
bekommen, und ich will hier auch gar nicht anfangen zu predigen. Wir haben
heute viel über die Klimakonferenz in Paris im Dezember gehört. Klimakonferenzen
gibt es ja jedes Jahr, warum ist also 2015 besonders?

image

Die COP21 in Paris spielt deswegen eine Schlüsselrolle in der internationalen Klimapolitik weil es nach dem Scheitern von Kopenhagen in 2009 die wahrscheinlich letzte Chance ist, dass wir eine weltweite Einigung zu diesem globalen Problem erzielen können. Wenn Paris scheitert, dann beerdigen wir die Hoffnung die 1992 in Rio beim Earth Summit geweckt wurde – und zwar dass wir als Menschheit Umweltprobleme global lösen können. Ich will nicht, dass 23 Jahre an Verhandlungen umsonst waren!

Bei allem Ernst der Lage will ich getreu
unserem Motto versuchen das Positive zu sehen. Einige von Euch wissen
vielleicht, dass ich eigentlich mehr von Machern und Sozialunternehmern halte,
als von der Politik. Aber dieses Jahr hängt so viel Hoffnung an diesem Prozess
und ich sehe eine große Chance. Es ist eine Chance für die Politik. Es ist die Chance, zu zeigen, dass die
Politik noch relevant ist und ihrem Auftrag als Volksvertreter heutzutage noch
gerecht wird.

Denn momentan ist die Politik doch kaum noch
relevant. Selbst in der hochpräsenten Flüchtlingskrise kommt von der Politik
lediglich Reaktion, keine pro-aktiven Lösungen zu den Ursachen der Probleme. Dieses
warme Gefühl das ich zum ersten Mal in Verbindung mit unserem Land empfinde,
kommt nicht von der Politik sondern von den vielen Menschen die ganz
hemdsärmelig mitanpacken, Willkommenskultur zu zeigen. Auch ihnen möchte ich danken.

Ebenso ist es beim Klimaschutz und der
Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Denn der Klimaschutz ist ganz elementar
mit den wirtschaftlichen Aktivitäten unseres Landes verbunden. Doch was ich
sehe, ist dass Unternehmen die Macht haben. Unsere Politik wird mehr von Lobbyisten
gelenkt, als von den gewählten Volksvertretern. Ich wünsche mir, dass die
Politik zeigt, dass sie mehr sind, als das Mittelmanagement der Wirtschaft. Für
den Klimaschutz brauchen wir ein starkes, rechtgültiges und ambitioniertes Abkommen
als Ergebnis der Verhandlungen in Paris. Und dies ist die Chance, liebe
Politik.

Der Klimawandel ist eine Bedrohung, die
oft schwierig zu fassen ist, weil sie sich – ein wenig wie unsere Parade – oft schleichend
vollzieht. So eine Bedrohung abzuwenden wäre ein historisches Ereignis und in
meinen Augen ein Zeichen dafür, dass wir uns als Menschheit tatsächlich
weiterentwickeln können und kein Problem zu groß für uns ist. Das wäre doch mal
ein politisches Vermächtnis, oder nicht?

Dafür stehe ich heute hier und gebe
meine Meinung kund. Denn auch wenn ich in meinem Privatleben jeden Tag
versuche, nachhaltiger als gestern zu leben, so weiss ich, dass es nicht genug
ist, wenn ich das nur im stillen Kämmerlein mache. Liebe Parade, wenn auch Ihr glaubt,
dass eine nachhaltige Zukunft wichtig ist, und dass die COP21 in Paris eine
Chance für Politiker sein kann, ein historisch bedeutendes Vermächtnis zu
hinterlassen, dann habe ich eine Bitte an Euch: Sprecht darüber.

image

Sprecht darüber wie wichtig es ist, dass
es in Paris eine Einigung für den Klimaschutz gibt. Sprecht über diese
historische Chance, das Richtige zu tun. Sprecht darüber mit Freunden,
Verwandten, und den Leuten, denen Ihr begegnet. Benutzt Social Media,
unterschreibt Onlinepetitionen, unterstützt andere die darüber sprechen, oder
wenn Ihr ganz mutig seid, schreibt und ruft direkt bei Euren Vertretern an. Lasst
und gemeinsam dafür sorgen, dass uns bewusst wird, dass Paris nicht nur eine
weitere Klimaverhandlung ist, sondern die beste Chance auf eine Nachhaltige
Zukunft die wir haben.

Wenn Ihr dazu mehr Informationen
braucht, und Ihr Euch nicht durch das ganze Internet wühlen wollt oder könnt,
dann findet Ihr in den nächsten Tagen weitere Informationen dazu auf meinem
Blog. Vor allem, sprecht darüber, was Ihr
heute erlebt habt und wozu es Euch inspiriert hat. Dafür danke ich Euch.

Und nur damit das ganz klar ist, dass
heisst nicht, dass wir nicht weiterhin auch den Mund aufmachen gegen die ‚Ich
bin ja kein Nazi aber’ Idioten.

Enden möchte ich mit einem Gedanken aus
Naomi Kleins neuem Film ‚This Changes Everything’: Was, wenn der Klimawandel
nicht nur eine Krise ist? Was, es die beste Chance ist, die wir jemals bekommen
werden, um eine bessere Welt zu bauen?

klartext von ingo schulze in der süddeutschen. 100% zustimmung.

Demokratie wäre, wenn die Politik durch Steuern, Gesetze und Kontrollen in die bestehende Wirtschaftsstruktur eingriffe und die Akteure an den Märkten, vor allem an den Finanzmärkten, in Bahnen zwänge, die mit den Interessen des Gemeinwesens vereinbar sind. Es geht um die einfachen Fragen: Wem nutzt es? Wer verdient daran? Ist das gut für unser Gemeinwesen? Letztlich wäre es die Frage: Was wollen wir für eine Gesellschaft? Das wäre für mich Demokratie.

die verzahnung von geld & politik ist eines der fundamentalsten übel unserer gesellschaft, weil die regierenden damit kaum noch im interesse der bevölkerung handeln können. außerdem werden so reformbemühungen recht erfolgreich abgewehrt. lobbycontrol macht auf diesen mißstand mit der verleihung der lobbykratie-medaille aufmerksam. erinnert mich an den fossil-of-the-day award. abstimmen bis 1. dezember!

gute doku über das subunternehmer-prinzip im paketdienst. hermes ist mir bisher immer als der schlechteste paketdienstleister aufgefallen, da ich mein paket nur selten persönlich erhalten habe. dass hermes jedoch eine 100%ige otto-tochter ist, denen das thema sozialverantwortung eigentlich wichtig sein sollte, wusste ich nicht!

eine ganze reihe von weiteren investigativen fernsehbeiträgen sind äußerst sehenswert:

  • bauhaus setzt die detektive der videoüberwachung auf die mitarbeiter an – eine massive verletzung der privatsphäre!
  • – bericht zum “jobwunder” deutschland: 322.000 neue jobs im vergangenen jahr, nur sind davon 57% leiharbeiter die für gleiche arbeit deutlich weniger lohn erhalten.
    dazu der präsident der deutschen rentenversicherung: “wenn der niedriglohn weiter so wächst, können sie jedes lohnbezogene sozialsystem in die tonne treten, auch die krankenversicherung.”
  • – frontal21 hat sich mal die umsetzung des sparpakets angesehen. ausgewogen, fair und gerecht sollte es sein- doch nun tragen doch eher die hartz-IV-ler und niedrigverdienenden zum sparpaket bei, während die abgaben der wirtschaft im sande verlaufen.
  • – zuletzt eine reportage über die sogenannten “islamkritiker” – ein euphemismus für rechte und islamophobe/islamhasser. auf deren seiten/foren finden volksverhetzende ideologien verbreitung- der verfassungsschutz beruft sich jedoch auf deren meinungsfreiheit und schaut weg.
    dabei bleibt es auch bei uns nicht nur bei worten: im vergangenen jahr gab es eine brandanschlagsserie auf moscheen in berlin. auch anderswo sind moscheen betroffen. hat oslo denn niemanden wachgerüttelt?

interessanter beitrag von h.c. ströbele zur realität von rüstungslieferungen, aktuell in der debatte panzer für saudi-arabien.

wie oft soll/kann ich mich eigentlich noch für diese schäbige regierung schämen und/oder entschuldigen?